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Hermannplatz in Neukölln

Zahl der Stolpersteine in Neukölln wächst auf 76

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Am Samstag, dem 14. November 2009, verlegt der Künstler Gunter Demnig 36 weitere Stolpersteine im Norden Neuköllns. „Stolpersteine“ sind kubische Betonsteine, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden niveaugleich in das Pflaster des Gehweges eingelassen. Ihre knappen Inschriften setzen sich aus dem Namen, dem Geburtsjahr, dem Deportationsdatum und dem Hinweis auf Todesort und Todesdatum des Opfers zusammen.

Es sind Erinnerungssteine für die ehemaligen jüdischen Nachbarn, für Akteure des politischen Widerstands und andere Verfolgte und Ermordete des Naziregimes. Die Stolpersteine sind ein politisches Kunstprojekt, das durch Bürgerbeteiligung weiterlebt. Die Bürger treten als Stifter auf. Einen Stolperstein, dessen Herstellung und Verlegung gegenwärtig 95 Euro kostet, kann jeder stiften. Das Kulturamt Neukölln und das Kulturnetzwerk unterstützen und befördern das Anliegen des Bildhauers Gunter Demnig: Erinnern gehört auch in den Alltag, in den ganz alltäglichen Stadtraum, abseits der großen Mahnmale.

Die Stolpersteine werden vor Hauseingängen in der Flughafenstraße, Fuldastraße, Herrfurthstraße, Hermannstraße, Hobrechtstraße, Lenaustraße, Oderstraße, Richardstraße, Sanderstraße, Silbersteinstraße und Warthestraße verlegt.
Die ältesten Opfer, über 80 Jahre alte Eheleute, wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert (Herrfurthstraße 5). Das jüngste Opfer, ein zwölf Jahre alter Junge, ein Patient, wurde 1944 in einer Euthanasieanstalt in Brandenburg ermordet (Richardstraße 49). Die Jahreszahl 1935 auf dem Stolperstein für die kommunistische Widerstandskämpferin Grete Walter in der Fuldastraße 12 lässt uns wissen, wie früh der Naziterror einsetzte und dass er als erstes die politische Opposition ausschaltete. Gestiftet wurden die Steine zumeist von Privatpersonen aus dem In- und Ausland. Da möchte ein US-Bürger, dessen Eltern im KZ Belzec ermordet wurden, am früheren Wohnort an seine Eltern erinnern (Oderstraße 50). Er selbst hat nur überlebt, weil ihn seine Eltern als Zehnjährigen auf einen Kindertransport nach Frankreich schickten. Er sah sie nie wieder.

Stifterinnen und Stifter sind Verwandte, ehemalige Spielkameraden und Nachbarn. Aber auch Menschen, die die Hausbewohnerinnen und Hausbewohner der Vergangenheit selbst gar nicht kennengelernt haben. Auch das Nachbarschaftsheim Neukölln in der Schierker Straße hat vier Steine gestiftet, ebenso der Verband für die Verfolgten des Naziregimes. Und eine Hausgemeinschaft in der Hobrechtstraße 57.

Weitere Informationen: Bärbel Ruben, Kulturamt Neukölln, Tel: 030-68093771